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Duell auf Augenhöhe PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Max Zeberle   
Montag, den 22. März 2010 um 18:20 Uhr

Kein lavieren, kein abtasten, nichts dergleichen, war zu beobachten in der Vorschlußrunde der 2. Bundesliga Süd beim Wettkampf des Außenseiters aus Krumbach beim Favoriten und designierten Aufsteiger in Darmstadt. Und die Auguren hatten recht, denn es war der erwartete Wettkampf voller Herzblut, beiderseits kompromisslos und mit offenem Visir geführt, ein Festschmaus für die zahlreichen Fans und lokale Presse. Ein Wettstreit der begeisterte. Schon vor dem ersten Zug richteten sich zahreiche Objektive auf 8 Bretter und 16 Denkakrobaten mit 32 nach Synapsen(kurz)schluß heischenden Hirnhälften, nur darauf wartend 64 kampfbereite schwarzweiße Figuren ins Gefecht zu führen. Photographen und Kamerateams tünchten die quadratische Arena der Gedanken in ein Blitzlichtgewitter, das sich mit dem heulenden Wind draußen in den Gassen zu einem gespenstischen Vorboten der bevorstehenden Schlacht zu vereinen schien.

Sieben tapfere Schwaben hatten sich bereits am Vorabend in barbarischer Manier mit riesigen Bergen fast rohen Fleisches körperlich und durch die Beschäftigung mit rätselhafter geokaschierender Symbolik geistig gestärkt. Den Gegner vorab zu schwächen fiel leider aus, da bei  Abfahrt keiner an die obligatorische Reisevodooausrüstung gedacht hatte. Sogar das kleine spitze linke Schreibgerät unseres Dr. Mabuse fehlte. Perfekt hingegen die mentale Vorbereitung auf den Gegner. Recherchekünstler Ron instruierte die Truppe akribisch über das spezielle Verhältnis der Griesheimer zu Flugzeugen und Zügen, was den bahnreisenden Alexei zusätzlich motivierte. Der achte Schwabe war Edwin, der die Nacht alleine mitten im Spessart verbracht hatte und erst im Morgengrauen zu seinen Mannen stieß.

Dann war Anpfiff: Franz lehnte sofort ein Remisangebot und Jörgs Gegner das Gambit ab, Marek hingegen sich grübelnd zurück. Uli gab seine beliebte Albert Einstein Parodie, diesmal ohne Damen am Brett zum Besten, Thomas jegliche Zurückhaltung was offene g-Linien anbelangt auf und Ron sich alle Mühe Thomas irgendwann im Turniersaal abzufangen. Edwin hatte alles im Griff, Alexei ne gute Stellung und ich selbst das sichere Gefühl, nicht zufällig vom Schicksal hierher ins ferne Hessen geführt worden zu sein.

Im Laufe der Zeit wandte Caissa dann aber ihre Gunst deutlich zu Ungunsten meiner geliebten Krumbacher Schachenthusiasten und noch heute reiben wir uns verwundert die Augen. Dass ein Wettkampf so kippen kann!? Jedenfalls wurde aus einem absolut katastrophalen Wettkampf urplötzlich ein völlig desaströser. Bei Thomas hatte sich das Kampfgeschehen vollends vom Brett auf das Partieformular verlagert und da hatte sich Thomas nach 35, oder 15 oder was weiß ich wieviel Zügen völlig verzettelt. Edwins stabile Stellung wurde labil, fragil, instabil und kollabierte schließlich. Marek grübelte noch immer, gab dann aber doch gegen den Polen verloren. Captain Traßl verfranzte sich und Ron widerfuhr l.p.d.o. Am ersten Brett bot Alexei die Schachversion von Dr. Jeckyll und Mr. Hyde. Dr. Jeckyl hatte ne gewonnene Stellung erspielt aber Mr. Hyde wollte nicht ziehen, sodaß am Ende die Uhr ihr unbarmherziges Urteil fällte. Uli agierte am längsten, aber hier lags eindeutig an der Variante, an der orthodoxen. Jörg saß hervorragend, aber der Gegner stand besser und schließlich wurde Jörg in seinem Zweitligadebut auskombiniert, dass es nur so splatatterte. Immerhin fügte er sich so ergebnistechnisch nahtlos ein in das Mannschaftsgefüge. Die Erste bot also kein Bild der Zerissenheit und es muß konstatiert werden, dass jede einzelne Niederlage hart erkämpft wurde.

Immerhin gelang es dem schwäbischen Zwerg, dem polnischen Riesen aus Hessen sein selbstgestecktes Saisonziel - Klassenerhalt - ordentlich zu vermasseln, denn nach dem Duell gegen Krumbach bleiben die Griesheimer definiv nicht in der Liga! Und insofern war es ein Duell auf Augenhöhe: Des Zwergs Augen auf Höhe der Hühneraugen des Riesen. Beim Heimweg von Darmstadt, in der Nähe Frankfurts, via Pforzheim back home in die Metropole Mittelschwabens waren sich die Kammelstädter in genüsslicher duplo_zität der Gedanken einig, dass es nicht vermessen ist zu sagen: Es hätte locker auch andersrum ausgehen können :-)

 

      DWZ ELO       DWZ ELO
Brett   SV Griesheim I  2377 2414
8 - 0   SK Krumbach I
 2200 2254
1 1 GM Mista Aleksandar  2495  2579 1 - 0 1 GM Barsov Alexei  2457 2511
2 2 IM Tazbir Marcin  2464  2499 1 - 0 2 GM Vokac Marek  2447 2466
3 3 GM Grabarczyk Miro  2434  2464 1 - 0 3 Kempter Ronald  2233 2287
4 4 IM Murdzia Piotr  2427  2471 1 - 0 4 Riefner Edwin  2216 2248
5 5 IM Grabarczyk Bogdan  2411  2423 1 - 0 5 FM Egger Thomas  2156 2216
6 6 Walter Stefan  2329  2303 1 - 0 6 Link Dr. Ulrich  2134 2128
7 7 FM Nothnagel Holger  2230  2301 1 - 0 7 Traßl Franz  2115 2182
8 8 Köhler Ronald  2222  2275 1 - 0 16
Wiendieck Jörg  1844 1995

 

Ganz ohne Satire: Herzlichen Glückwunsch an Griesheim und viel Erfolg in der 1. Bundesliga!

Auf der dortigen Seite ist ebenfalls ein Wettkampfbericht zu lesen.

 

2009/2010: Tabelle 2. Bundesliga II Süd nach 8 von 9 Runden

1. SV Griesheim I 15 - 1 45,0
2. SC Schwegenheim I 12 - 4
40,0
3. SC HP Böblingen I 12 - 4
38,0
4. SV Viernheim I 8 - 8
32,0
5. OSG Baden Baden II 8 - 8
31,5
6. SK Neuhausen I 8 - 8
30,0
7. SC Untergrombach I 6 - 10 29,0
8. SK Krumbach I 5 - 11
25,5
9. SvG Saarbrücken I 4 - 12
25,5
10. SF Stuttgart I 2 - 14
23,5

 

 

Link zum Stand in der 2. Bundesliga Süd

       
       
       
       
       
       
       
       
       
       

 

 

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